Divinity: Original Sin 2

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Datum der Erstveröffentlichung: 14. September 2017
Serie: Divinity
Entwickler: Larian Studios
Genre: Rollenspiel
Plattform: Microsoft Windows
Herausgeber: Larian Studios, Bandai Namco Entertainment

 

3 KOMMENTARE

  1. Ein Oldscool Spiel, indem einen nichts vorgekaut wird. Selbst das Crafting erfordert Einarbeitungszeit. Das Kampfsystem ist Innovativ und habe ich so in keinen anderen RPG erlebt. Kämpfe mit Gegner-Anhäufungen verlangen einen Teilweise alles ab, es wird einem nichts geschenkt. Das Lösen von Nebenquest erfordert Gribs. Die Charakterentwicklung sollte wohl überlegt sein! Der ab und an auftretende Humor des Spiels will nie so richtig zünden, tut der Atmossphäre aber keinen Abbruch. Jeden Fan von Rundenstrategie empfehle ich dieses Spiel wärmstens.

  2. Edition: Standard
    Vorab: Ich halte viel von den ‚Larian Studios‘ und Ihrer ‚Divinity‘-Reihe. Mit ‚Divine Divinity‘ und ‚Divinity 2‘ hatte ich unglaublich viel Spaß (‚Beyond Divinity‘ hatte ich ausgelassen) und hatte dementsprechend natürlich auch hohe Erwartungen an den neuesten Teil. Doch ich wollte auch warten, bis es aus dem Alpha/Beta-Status heraus war und offiziell ‚fertig‘ veröffentlicht wurde. Die Medien haben das Spiel ja ziemlich gelobt und auch hier sprechen die Bewertungen für das Spiel. Und das zu Recht! Denn trotz einiger kleiner aber unübersehbarer Schwächen, ist ‚Divinity Original Sin‘ für mich ein absolutes Meisterwerk und ein grandioses Spiel, welches mich schon über 70 Stunden bestens unterhalten hat. Aber fangen wir der Reihe nach an:
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    Die Geschichte:
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    In der Welt von ‚Divinity: Original Sin‘ übernimmt man die Rolle zweier Quellenjäger, die damit beauftragt sind die dunkle Magie, die sich die „Quelle“ nennt, aufzuspüren und Ihre Nutzung zu unterbinden. Die Story beginnt ziemlich gut (…und weckt an Erinnerungen an vergangene Tage/Spiele ;-)). Man wird damit beauftragt den Mord in einem Dorf zu untersuchen. Im Laufe davon besucht man natürlich den Tatort, sucht Beweise und hört Zeugen an. Und schnell stellt sich heraus, dass irgendwie mehr hinter der ganzen Sache steckt als es zu Anfang scheint.

    Doch auch wenn die Story gut beginnt, schwächt sie danach vorübergehend ziemlich ab. Das liegt zum Einen an einigen Wendungen, welche man schon „ein paar“ Mal im Fantasy-Genre gesehen hat, zum Anderen daran, dass man sich gut und gerne in den unzähligen Nebenaufgaben, dem Crafting-System, dem Anpassen der Charaktere, dem Kaufen und Verkaufen von Gegenständen oder auch einfach mal beim Erkunden der weitläufigen Maps verliert. Nach der Durststrecke nimmt die Geschichte schönerweise wieder Fahrt auf, überrascht mit der einen oder anderen Wendung und überzeugt durch ordentlich ausgeleuchtete Hauptcharaktere und Motive. Manche Zusammenhänge zwischen Charakteren und Geschehnissen werden aber auch erst später oder überhaupt erst optional durch das Lesen von Büchern, Notizen o.Ä. ersichtlich, es hängt davon ab, je nachdem wie und ob man sich auf die Welt einlässt. Auch bei den Hauptquests gilt: Auch hier sind die meisten Dialoge leider nicht vertont, weshalb man viel, wirklich SEHR viel lesen muss, wenn man wissen möchte was vor sich geht! Wer das nicht mag und sich wie wahnsinnig durch die Textfenster klickt wird natürlich irgendwann ein riesiges Fragezeichen vor dem Kopf haben und „ein, zwei wichtige Geschehnisse“ verpassen. Alles in allem für mich eine mehr als solide Geschichte, die eine schöne Rahmenhandlung spinnt.
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    Grafik und Atmosphäre
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    Als ich die ersten Screens gesehen habe, hat mir der Gesamteindruck direkt Gefallen. Tolle und abwechslungsreiche Gebiete, vollgestopft mit Details und Inhalten. Von dunklen Höhlen, geht es über freundliche Wiesen zu märchenhaften Wäldern, die sich mit lavaüberströmten Dämonenebenen abwechseln, bis hin zu verschneiten Schneereichen, wodurch ordentlich Abwechslung im Setting vorhanden ist. Jedes Gebiet bietet unzählige versteckte Gegenstände und Geheimnisse, unterschiedliche neue Gegnertypen. natürlich auch Unmengen an Quests und strotzt so vor Details. Die Grafik wirkt für mich wirklich sehr schön, sowohl Umgebungsdetails, als auch die Figuren und Ihre Animationen können absolut überzeugen. Nur wenn man zu nah ranzoomt erkennt man einige doch nicht ganz so schöne Texturen, das fällt aber beim normalen Spielen kaum auf. Trotzdem ist der Gesamteindruck und vor allem die Atmosphäre meiner Meinung nach einfach klasse. Auch die Städte, Dörfer und Camps sind bewohnt, Händler bieten Ihre Waren an, Tiere laufen umher, Leute leben dort und es ist nicht ausgestorben. Auch wenn die NPCs oft nicht viel Neues zu erzählen haben. Ach und die Ladezeiten halten sich ebenfalls noch in Grenzen.

    Als kurze Info zur Kamera: Wer sich wundert, dass man die Kamera nur zur Hälfte drehen kann, sollte sich einmal die Optionen anschauen – dort kann man eine frei drehbare Kamera aktivieren, die trotz Warnmeldung gut im Hauptspiel funktioniert.
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    Musik
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    Die musikalische Untermalung in „Divinity:OS“ ist wieder einmal spitze (wie auch schon in den Vorgängern…), die einzelnen Stücke sind unterschiedlich und tragen zur guten Atmosphäre bei. Auch die Soundeffekte können voll überzeugen, harmonische Klänge wechseln sich ab mit dem Klappern von Knochen oder dem Rauschen eines kleinen Baches. Auch die (englische) Sprachausgabe ist durchweg sehr gut, auch wenn sie nur selten zum Einsatz kommen. Denn 85% der Dialoge/Texte sind nicht vertont, das Meiste wird in Textfenstern präsentiert. Schade, eine durchgehende Sprachausgabe hätte die Atmosphäre für mich noch einmal deutlich verbessert!
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    Charaktererstellung/-verbesserung.
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    Bei der Erstellung der zwei Charaktere bietet das Spiel einige Möglichkeiten seine Charaktere individuell zu gestalten. Zwar ist der Editor hier nicht so umfangreich wie z.B. bei „Dark Souls“ oder „Dragon’s Dogma“ und bietet nur diverse Frisuren, Köpfe, Haarfarben und Hautfarben zum Kombinieren, allerdings ist dort doch schon Einiges vertreten. Leider kann man z.B. Bärte oder Accessoires wie Zöpfe, Ohrringe o.Ä. nicht separat auswählen und manche Frisuren passen einfach nicht wirklich zu dem Spiel. Aber darüber kann man hinweg sehen/sich streiten. Leider ist hier auch die Anzahl an Porträts definitiv zu gering, zu 80% wird man einen Charakter erstellen, der dort nicht so abgebildet ist und muss mit Kompromissen leben. Sehr schade.

    So, jetzt zum Skill-System: Dieses ist sehr schön tiefgängig und bietet große Freiheiten. Jeder Charakter kann jede Fähigkeit lernen, feste Klassen gibt es nicht. Neben den klassischen Attributen wie Stärke, Intelligenz und Gewandtheit gibt es dazu ungefähr 30 Fähigkeiten wie Einhändige Waffen, Pyromantie, Charisma oder Schleichen und noch Talente aus denen man seine Recken zusammenbauen kann. Die Talente gewähren diverse passive Bonis/Perks wie z.B. eine 10%-Ausweichchance oder doppelt so schnelles Schleichen, können aber oft nur unter Voraussetzungen von bestimmten Fähigkeitswerten erlernt werden. Alles in Allem ein sehr schön komplexes System das Spaß macht und auch hohen Individualisierungsgrad bietet. Ach und: Ja, im Verlauf des Spiels ist das Neu-Verteilen der Werte möglich.‘
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    Das Kampfsystem:
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    Kurzum: Das Kampfsystem trifft genau meinen Nerv. Ein klassisches, rundenbasiertes System wird hier toll aufgelockert und mit weiteren Details versehen. Die verschiedenen Reaktionen der einzelnen Elemente aufeinander (z.B. Feuer + Gift = Boom!), die unglaublich vielen verschiedenen Zauber und Fertigkeiten, die unterschiedlichen Gegner, gepaart mit dem recht ordentlichen Schwierigkeitsgrad erfordern Taktik und Strategie und das macht einfach unglaublich Spaß. Natürlich dauern die Kämpfe mehr als nur einige Sekunden an und es kann durch aus sein, dass man irgendwann fluchend neu laden muss. Aber so fühlen sich Siege und Erfolge wenigstens wie solche an!
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    Die Welt:
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    Es gibt mehrere große Maps mit vielen Orten, Dörfern und Städten, in denen sich Leute und Leben tummeln. Unzählige Gebäude warten auf die Erkundung, Schätze, Truhen und Kisten auf mutige Abenteuer und Entdecker. Vielerorts gibt es auch versteckte Höhlen und Orte oder vergrabene Schätze, kleine wunderschöne Details, die zusammen eine stimmige Welt erschaffen. Viele Orte bergen Geheimnisse, die man auf den ersten Blickt nicht sieht und strotzen vor Rätseln, die manchmal ziemliche Kopfnüsse sind. 08/15 Schlauchlevel sucht man schönerweise vergebens! Und viele Abzweigungen und versteckte Schätze freuen jeden Entdecker und Sammler. Dazu kommen noch sehr schön geschriebene Dialoge, unzählige NPCs und Quests, gepaart mit dem typischen Humor der Larian Studios und fertig ist eine recht atmosphärische, kleine Fantasy-Welt.

    Auch die 4 nicht generischen Begleiter, die unser Heldenduo unterstützen können, bieten nette Ansätze von Persönlichkeit und Dialoge. Ab und zu geben sie auch recht unterhaltsam ihren Senf zu Entscheidungen, Vorhaben und dem Geschehen ab. Zu Anfang gab es leider nur einen Krieger und einen Magier als optionale Gefährten mit Persönlichkeit, das hat sich mit einer Gratis-Erweiterung aber geändert. Nun stehen zur Auswahl eine Kriegerin, ein Magier, eine Jägerin/Bogenschützin und ein stummer Dieb/Schurke. Sie besitzen auch eigene Quests und sehen nicht 08/15 wie alle anderen NPCs aus. Vielfalt und Möglichkeiten á la Dragon Age sollte man aber nicht erwarten.
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    Freiheiten/Entscheidungen/Wiederspielwert
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    Generell hat man in dem Spiel eine große Portion an Freiheiten und möglichen Entscheidungen. Seien es kleine Antworten in Dialogen, die über die Persönlichkeit eures Charakters entscheiden (Kühn oder Schüchtern, Romantisch oder Pragmatisch…) oder große Entscheidungen in Quest-Verläufen, wodurch die komplette Quest plötzlich anders verläuft. Es gibt eine Vielzahl solcher Entscheidungen, was natürlich auch motiviert mehrere Durchläufe zu starten. Auch hat man die meiste Zeit über nicht nur „einen“ Weg zu gehen, sondern auf der Map mehrere Orte und Quests zur Auswahl die man erforschen kann. Immer mal wieder schnappt man im Spiel kleine aber feine Dialoge auf und findet in den weiten der Gebiete verschwundene Personen, Leute in Not oder auch nur trickreiche Feinde, die sich versteckt haben. Und wenn man keine Lust auf Questen und Kämpfen hat, kann man Taschendieb spielen oder das umfangreiche Crafting ausnutzen.
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    Abseits der Hauptgeschichte…
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    ..hat man ebenfalls viel zu tun. Sehr viel. Unbeschreiblich viel. In jeder Stadt, jedem Lager und jedem Dorf warten unzählige Personen in Not auf Retter, Helfer oder Halsabschneider. Dazu gibt es Unmengen an unterschiedlichen Händlern, Materialien und Zutaten zum Handeln und Ausprobieren. Auch sind die Quests selbst schön abwechslungsreich und kein generischer Kram á la „Töte 10 davon“ (Habe ich keine einzige gefunden!) oder „Hole Gegenstand X und bringe es zu Person Y in Dorf Z“. Das geht z.B. auch soweit, dass manche Quests nur mit Köpfchen und ein bisschen Hirnschmalz zu lösen sind, weil Monster unbesiegbar sind und das auch nicht geändert werden kann. Rambo stirbt dabei schneller als das er „Vietnam“ sagen kann, ein schleichender Schurke könnte aber einen Weg finden, wie es weitergeht. Die Quests sind schön geschrieben und die kleinen Geschichten machen Spaß, verdichten die Atmosphäre und sind interessant dargestellt. Quest-Pfeile, die die nächsten Ziele angeben á la Skyrim/Oblivion wird man hier aber vergebens suchen – man muss, wie bei den Rätseln und vielen Sachen beim Craften, selber nachdenken und den Kopf auch mal anstrengen. Schön, dass es so etwas noch gibt, ein Spiel wo der Spieler nicht mit dem Zaunpfahl erschlagen wird!

    Der zufallsgenerierte Loot bildet auch hier wieder eine altbekannte Suchtspirale und motiviert zur Suche und Jagd. Viele unterschiedliche mögliche Werte auf den Gegenständen und auch optisch sind die meisten Sachen auch recht gut gelungen. Lob für die „Larian Studios“: Helme sind ausblendbar oder nur im Kampf anzeigbar, sonst darf man das Gesicht der Helden auch gerne bewundern! Nur oftmals stören die unterschiedlichen Farben der Ausrüstungsgegenstände. Schönerweise kann man diese mit Flaschen voller Farbe und dem Handwerker-Skill umfärben… doch leider ist die Farbe dafür ziemlich selten.

    Wenn ich sagen würde, dass das Crafting umfangreich ist, wäre das wohl noch untertrieben. So viele Freiheiten habe ich selten gesehen. Die Rezepte sind manchmal etwas abstrus zum selber herausfinden und die Rezeptbücher helfen manchmal nur begrenzt, doch steigt man mal hinter das System ist es wahrlich klasse. Man kann beispielsweise Teig herstellen und kneten und dadurch backen, kann Tränke aus diversen Pflanzen und Kräutern gewinnen und die verstärken oder Erze abbauen und Einschmelzen um daraus dann einen Barren zu basteln. Aus Zwei Barren kombiniert man einen großen Barren, welchen man ebenfalls noch schmilzt, damit ein großer Eisenbarren zu einem großen Stahlbarren wird. Aus diesem großen Barren kann man nun an einem Amboss eine Zweihand-Axt schmieden, die man am Schleifstein noch verbessert. Nun kombiniert man die Axt noch mit Perlen um den Wert zu steigern, Tenebrium oder Essenzen für die gewisse Portion Extra-Elementar-Damage und haut noch eine „Gepeinigte Seele“ darauf für ein paar Extra-Attribute. Fertig ist eine Waffe. Bei Rüstungen ist es genauso umfangreich, diese kann man noch durch Öl, Schuppenstücke, Metallteile o.Ä. verbessern. Und Schriftrollen und Zauberbücher kann man auch noch selbst herstellen. Und Schmuck. Und, und, und… Personen, die gerne ausprobieren, tüfteln und kombinieren werden sich hier sehr wohl fühlen. Und sehr, sehr lange damit Spaß haben.
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    Diverses Positives noch…
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    Kurz noch etwas zur Spielzeit: Beim 1. Durchgang habe ich mit viel Erkunden und Basteln und Allem über 70 Stunden gebraucht. Das ist einfach grandios, vor allem, da ich definitiv noch einen zweiten Durchgang mit 2 „Einsamen Wölfen“ machen möchte auf einem härten Schwierigkeitsgrad. Man kann Problemlos in der Welt, den Quests und dem Crafting versinken und Unmengen an Zeit damit verbringen.

    Und da das Spiel Mod-Support bietet, kann sich der Spielspaß noch deutlich länger steigern. Mods sind für mich einfach etwas Wundervolles. Wenn Fans Ihren Ideen freien Lauf lassen können und sich die Spielzeit um ein vielfaches verlängert und das Erlebnis verbessert. Traumhaft! Gibt sowohl im Nexus als auch im Steam-Workshop einiges zur Auswahl. Allgemeine Verbesserung von Dialogen und Drops, kleinere Anpassungen, Materialienhändler, häufigere Farben zum Einfärben etc. etc. Auch tolle neue Quests und Mini-Abenteuer stehen hier zur Verfügung.

    In den über 70 Spielstunden ist mir auch kaum ein Bug aufgefallen. 1 Quest dümpelt noch im Questlog herum, und ist nicht verschwunden obwohl sie nicht mehr ab zu schließen ist (Auftraggeber tot), 2x hatte ich einen Absturz, aber dank automatischer Speicherfunktion und 4 Quick-Save-Slots habe ich ganze 35 Sekunden verloren. Auch die Ladezeiten sind wirklich human. Da hatte ich schon schlimmeres gesehen bei Spielen.

    Ach und einen Multiplayer-Modus hat das spiel auch noch, Freunde von Co-op spielen werden sich hier sehr schön austoben können, da man einfach Spiele hosten oder beitreten kann. Schade das das nicht immer so einfach ist bei anderen Spielen.
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    Trotzdem möchte ich auch noch auf die Schattenseiten eingehen, die mir aufgefallen sind…
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    – Die Sprachausgabe ist zwar nicht auf Deutsch, dafür allerdings sehr gut. Bloß ist nur sehr wenig vertont, der Großteil aller Gespräche und Dialoge liegt eben nur in Textform vor. Ich hätte mir schon gewünscht, dass mehr Sprachausgabe da wäre, alleine schon wegen der Atmosphäre.

    – Auch passen die Porträts und Gesichter der eigenen Charaktere nicht immer. Es gibt zwar eine passable Anzahl an Porträts zur Auswahl, allerdings bei weitem nicht genug um einen Großteil der Haare/Gesichter/Farbe-Kombos abzudecken. Dementsprechend ist der Unterschied zwischen dem wirklichen Gesicht und dem Porträt einfach manchmal nur lachhaft groß. Schade, schade.

    – Das Inventarmanagement ist oftmals Fummelarbeit vom Feinsten. Es gibt zwar mehrere Kategorien und Anordnungen, automatisches Sortieren und doch brauche ich oft lange Zeit dafür Gegenstände zu ordnen, Hin- und Herzuschieben und zu suchen. Viel zu viele Items in viel zu vielen Kategorien die nie dort sind wo man sie gerade braucht.

    – Bei gesprochenem Text bewegen die Charaktere Ihre Lippen nicht. Aber generell sind die Charaktermodelle wenn man nah heranzoomt nicht ganz prickelnd. Aber das macht man im normalen spielen ja auch nicht oft.

    – Teilweise dümpelt die Story oft etwas im Hintergrund herum und man vergisst einfach was vor sich geht?

    !!!Vorsicht Namens-Spoiler!!!:
    Astarte? Wer war das noch mal? Wie, wo , was Leere? Häh, Die Mittlerin und die weiße Hexe…ach egal, ich crafte weiter. !!!/Spoiler Ende!!!

    – Kein Ausgrauen für schon gewählte Gesprächsoptionen. Reden endet also häufiger vor riesigen Textmauern die auf den Spieler wieder und wieder einhauen. Denn es gibt sehr viele Dialoge, mit vielen Auswahlmöglichkeiten (teilweise bis zu 9 unterschiedliche Optionen). Aber auch wenn man sie schon 6x gehört hat und der Charakter nichts Neues zu sagen wird das nicht angezeigt und irgendwann klickt man nur noch durch bis kommt „Tagebuch aktualisiert!“. Argh!

    – Manche Rätsel oder Schalter sind leicht „frustrierend“. Beispiel: Ein riesiger vollgestellter Raum, voller Kisten, Bücherregale, Spinnenweben etc. sieht auch absolut nicht verdächtig aus. Aber irgendwo ist ein kleiner Schalter. Ach und dein Charakter explodiert wenn er sich bewegt. Oder es gibt 4 kleine Schalter, die in einer bestimmten Reihenfolge gedrückt werden müssen. Der Hinweis in welcher Reihenfolge findet man in einem anderen, etwas versteckten Buch. Ohjeh. Oft sucht man also winzige Schalter bis zum Abwinken, oder Hebel o.Ä.
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    Fazit: Sehr Gute 4 von 5 Sternen. Ein fantastisches spiel für mich, das mich trotz seiner Schattenseiten unzählige Stunden motiviert hat! Ich liebe es und werde auch noch einige Stunden damit verbringen. Und doch kann ich nicht einfach so über alle Schattenseiten hinweg sehen, dafür stört mich z.B. die fehlende Sprachausgabe oder der Unterschied zwischen dem Gesicht meines Barbaren-Kriegers und seines Porträts doch zu sehr. Aber alles in Allem haben mich die Larian-Studios wieder einmal überzeugt und ein tolles Fantasy-Werk geschaffen, dass Anleihen der alten Schule gekonnt mit neuen Ideen und Möglichkeiten verknüpft. Hoffen wir, dass sie auch weiterhin so gute Arbeit leisten!

  3. …liefert Original Sin, welches die Idee des klassischen Rollenspiels zurück in eine actionübersättigte Spielergeneration bringt. Und gerade hier, wo die Stärken des klassischen Rollenspiels lagen, dort sind auch seine Stärken zu finden. Im taktischen Aufbau einer starken Gemeinschaft, im Auflösen komplexer Zusammenhänge und der Einbeziehung verzwickter Handlungsstränge. Klassische Rollenspiele sprechen viele Bedürfnisse an: Original Sin befriedigt den Sammler und Tüftler ebenso, wie den Kampfstrategen.
    Als Liebhaber der Klassiker Amberstar und Ambermoon freute ich mich besonders über das Kampfsystem. Denn durch den streng rundenbasierten Ablauf wird der Kampf zu einem Schachspiel und die initiale Aufstellung der Gruppe zu einem wichtigen Teilaspekt. Je weiter man im Spiel fortschreitet, desto wichtiger ist es wenig gerüstete Distanzkämpfer aus der Schusslinie zu halten und grobe Arbeiten den Kriegern in Plattenpanzer zu überlassen. Der Aufbau von Barrikaden und das gezielte Hineinlocken ganzer Dutzendschaften von Gegnern sollte hierbei ebenso in das Strategieportfolio gehören, wie das vorsorglich eingepackte Öl- oder Giftfass, welches im Notfall auch härtere Gegner zur Strecke bringt.
    Doch auch an anderer Stelle wird der Spieler gefordert. Das Sammeln von Hinweisen und auch von Gegenständen trägt oftmals direkt zur Lösung der zentralen Quests bei. Schwer tut man sich, berücksichtigt man nicht die handwerklichen Möglichkeiten, welche von einer improvisierten Waffe bis zum vergifteten Käse die Herstellung einer Unmenge nützlicher Hilfsmittel erlauben. Und hier merkt man auch den unbegrenzten Spieltrieb der Schöpfer von Original Sin. Nicht nur in den Dialogen, sondern auch in den Kombinationsmöglichkeiten haben sie sich ausgetobt.

    Fazit: Freunde von Diablo & Co ohne Bezug zu den hier gebotenen Denkaufgaben werden dieses Spiel vermutlich am liebsten in die tiefste Hölle versenken. Wer auf Papier oder Computer schon immer Wert auf Handlung, Interaktion und Nachdenken gelegt hat, der wird hier ein anspruchsvolles Rollenspiel mit einer Vielzahl interessanter Quests vorfinden. Der große Handlungsstrang ist recht simpel, doch wird er durch eine Vielzahl von Nebenschauplätzen ergänzt. Hochrüsten, Durchstürmen, Prinzessin retten? Fehlanzeige! Hier versperren neben einer Vielzahl von Gegnern auch Rätsel und Geheimnisse dem Helden den Weg. Ausbaufähig ist definitiv noch der Mehrspielermodus. Mit den Möglichkeiten von heute könnte daraus vielleicht wirklich irgendwann eine ganz eigene Community entstehen, die im Koop-System in Zusammenschlüssen mehrerer Gruppen Quests gemeinsam oder kompetetiv vorantreibt….

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